Cookie Fatigue und aufkommende EU-Reform: Warum wir auf Cookies verzichten

Cookie Fatigue und aufkommende EU-Reform: Warum wir auf Cookies verzichten

Warum auf unserer Website kein Cookie-Banner erscheint

Wenn jemand unsere Website besucht, erscheint kein Cookie-Banner. Einige fragen sich vielleicht, ob das korrekt ist. Diese Reaktion ist verständlich, denn viele Internetnutzer haben sich inzwischen so sehr an den Banner gewöhnt, dass dessen Abwesenheit irritiert. Manche denken sogar, eine Seite sei fehlerhaft, wenn nicht sofort ein Zustimmungsfenster erscheint.

Doch diese Erwartung ist selbst ein Produkt eines Problems, das inzwischen als Cookie Fatigue bezeichnet wird. Gemeint ist die Ermüdung und Überforderung durch die ständige Konfrontation mit Cookie-Bannern auf (nahezu) jeder Website.

Warum dieser Schritt auch sinnvoll ist, zeigt ein Blick auf aktuelle Forschung und politische Entwicklungen.

Ein Blick auf Forschung und die aktuellen EU-Diskussionen

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Studien mit der Wirkung, Gestaltung und Akzeptanz von Cookie-Bannern beschäftigt. Dabei wird deutlich, dass viele dieser Einwilligungsdialoge nicht zur Aufklärung beitragen. Vielmehr sorgen sie für Verwirrung, Druck und oberflächliches Wegklicken. Diese Forschung hilft zu verstehen, warum der Verzicht auf Banner im Sinne der Nutzer sein kann.

Ein zentrales Element ist die ständige Reizüberflutung, die dazu führt, dass viele Menschen nicht mehr bewusst entscheiden, sondern reflexartig auf „Akzeptieren“ klicken.

1. Wissenschaftliche Befunde zu Bannern und Einwilligungen

Eine Analyse zu Cookie-Bannern zeigt, dass bei über 54 Prozent der untersuchten Websites gegen Datenschutzvorgaben verstoßen wurde. Viele setzen voreingestellte Optionen ein oder gestalten ihre Banner so, dass Nutzer eher zustimmen als sich bewusst entscheiden.
👉 arxiv.org/abs/1911.09964

Eine groß angelegte Feldstudie mit über 80.000 Teilnehmenden belegt, dass schon kleine Änderungen im Design oder der Sprache Nutzer stark beeinflussen. Die meisten klicken reflexhaft auf „Akzeptieren“, ohne die Inhalte wirklich zu prüfen.
👉 arxiv.org/abs/1909.02638

Viele Websites setzen sogenannte intractable cookies – also Cookies, die schon aktiv sind, bevor Nutzer überhaupt zustimmen können. Besonders häufig passiert das bei Seiten mit externen Einwilligungsplattformen, trotz scheinbarer Kontrolle durch Banner.
👉 arxiv.org/abs/2506.11947

2. Die EU will reagieren und das System grundlegend verbessern

Die Europäische Kommission versucht derzeit, die zersplitterten Digitalregeln zu vereinfachen. Statt einer eigenständigen ePrivacy-Reform werden die Cookie-Regeln im Rahmen eines größeren „Digital Omnibus“-Pakets neu sortiert. Dabei sollen einzelne Bestimmungen der DSGVO, der ePrivacy-Richtlinie und weiterer Digitalgesetze gezielt angepasst werden, um Bürokratie abzubauen – unter anderem bei Cookies.

👉 European Commission Press Release, 19. Nov. 2025

Ein Kernpunkt dieser Pläne ist, die Cookie-Flut und „Cookie Fatigue“ einzudämmen:
- Nutzer*innen sollen ihre Datenschutz- und Cookie-Präferenzen künftig einmal im Browser oder Betriebssystem festlegen können, statt auf jeder Website neu zu klicken.
- Websites müssten diese standardisierten Privacy-Signale respektieren, wodurch viele Pop-ups überflüssig würden.
- Für bestimmte als „niedrigriskant“ eingestufte Zwecke – etwa rein technische Funktionen oder einfache Reichweitenmessung ohne Personenbezug – sollen weniger oder gar keine Einwilligungsbanner nötig sein.

Gleichzeitig sind die Vorschläge politisch umstritten: Bürgerrechts- und Datenschutzorganisationen kritisieren, dass unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung zentrale Schutzmechanismen der DSGVO aufgeweicht werden könnten – etwa durch neue Ausnahmen und eine stärkere Nutzung von „berechtigtem Interesse“ für Tracking und Datennutzung.

Wichtig: All das sind bislang nur Vorschläge. Das „Digital Omnibus“-Paket muss noch das ordentliche Gesetzgebungsverfahren durchlaufen und kann sich im Parlament und im Rat deutlich verändern.

[Abschnitt aktualisiert: 20.11.2025]

3. Kritik der Datenschutz-Community: Vorsicht bei Vereinfachungen

Während viele Unternehmen auf Lockerungen drängen, mahnt die Datenschutz-Community zur Vorsicht. Organisationen wie EDRi (European Digital Rights) warnen davor, dass unter dem Label "harmloser Cookies" zunehmend auch Tracking- und Werbedaten verarbeitet werden könnten – ohne echte Zustimmung.

Die Sorge: Eine zu weit gefasste Definition von „notwendigen“ oder „essentiellen“ Cookies könnte Türen für intransparentes Nutzertracking öffnen, was dem eigentlichen Ziel des Datenschutzes widerspricht.

Unser Weg: Datenschutz by Design

Wir gehen bewusst einen anderen Weg. Unsere Prinzipien:

  • Wirklich nur technisch notwendige Cookies ohne Einwilligungspflicht
  • Kein Cookie-Tracking, keine invasive Analyse und keine versteckte Datenweitergabe
  • Systemarchitektur nach dem Prinzip Privacy by Design und Privacy by Default

Fazit

Wir verzichten ganz bewusst auf Cookies, weil wir Ihre Privatsphäre respektieren und keine Daten erheben, die eine Zustimmung erfordern. Der rechtliche Rahmen erlaubt dies, und wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass viele Cookie-Banner eher zur Verwirrung beitragen als zur Aufklärung. Die EU arbeitet bereits an Lösungen, die mit unseren Prinzipien in Einklang stehen. Wir haben diesen Schritt bereits gemacht.

29.09.2025

Über den Autor:

Daniel Leinfelder

CTO & Founder

Daniel ist seit über 10 Jahren im Bereich der Künstlichen Intelligenz und neuronalen Netze tätig. Bei Sapericus leitet er die technische Innovation. Ein besonderes Augenmerk legt er dabei auf Datenschutz und Datenminimierung.
„Wir sind mit Sapericus angetreten, um möglichst vielen Menschen zu helfen und nicht, um den Datenhunger unserer Zeit zu stillen“